Der Weg der Jakobspilger führt jetzt durch Büren
Eine neue Route des Jakobsweges von der Elbe zum Rhein berührt auch Büren und Umgebung.
Viele sind ihn schon gegangen, den Jakobsweg, den mittelalterlichen Pilgerweg quer durch Europa, meist in Nordspanien beginnend auf heißen Wegen zum ersehnten Ziel in Santiago de Compostela.
Und Jakobspilger von heute wissen auch, dass im Mittelalter ganz Deutschland mit einem Netz von Jakobswegen überzogen war, die sich letztendlich in Köln und Aachen vereint haben. Wer aber diese Wege heute in Deutschland gehen will, wird immer noch einige Probleme haben, eine entsprechende durchgehende Beschreibung vorzufinden. Dies hat sich nun in diesem Jahr geändert, denn inzwischen wurde auch die Lücke im europäischen Fernwegenetz zwischen Elbe und Rhein geschlossen. Die Wege der Jakobspilger aus dem Osten Europas führten über Magdburg, Halberstadt, Goslar, Bad Gandersheim, Höxter, Paderborn nach Köln am Rhein. Büren ist jetzt Etappenort auf diesem Weg, der mitten ins Rheinland führt. Die neue in 25 Tagestappen aufgeteilte Route folgt den alten Reiserouten der Deutschen Kaiser von ihren Pfalzen in Sachsen zu den Herrschaftszentren am Rhein, teilweise waren dies auch Handels- und Kaufmannsrouten wie zum Beispiel dem Hellweg oder der Heidenstraße im Sauerland.
Wenn die Pilger die Bischofsstadt Paderborn hinter sich gelassen hatten, durchquerten sie die sanften lang gestreckten Erhebungen des Haarstrangs oder auch "die Haar" genannt, die die Nordgrenze zum Münsterland und der Soester Börde bildet. Auf der Etappe zwischen Welwelsburg und Rüthen führt der Weg hinauf auf die Höhen durch ein großes Waldgebiet mit ausgedehnten Buchenwäldern, aus denen man kurz vor Büren wieder heraustritt. Unten im Tal taucht die stolze Silhouette der Jesuitenkirche "Maria Immaculata" von Büren auf. Alles begann hier damit, dass 1640 Moritz von Büren, letzter männlicher Spross der Edelherren von Büren, als den Bau eines Kollegs mit einer Kirche durch den Jesuitenorden seinen letzten Willen verfügt hatte. Wie ein trutziges Symbol der Gegenreformation ist die Klosterkirche 1773 in klassizistisch gemäßigtem Barock in die Landschaft gepflanzt worden. Ihre im feinsten Rokoko ausgeführte Innenausstattung mit farbenprächtigen Deckengemälden, die Szenen aus dem Marienleben zeigen, machen sie zu einer der schönsten Marienkirchen Norddeutschlands. Das von 1717 - 1728 als theologische Fakultät des Jesuitenordens erbaute Kolleg entwickelte sich zu einer Stätte berühmter Gelehrsamkeit.
Bei einem Bummel durch Büren, von dessen alter Stadtbefestigung noch zwei Türme erhalten sind, fällt es leicht, sich vorzustellen, wie durchziehende Jakobspilger einst das Straßenbild der deutschen Städte geprägt haben, so wie es heute in Spanien in vielen Städten längs des Jakobsweges wieder der Fall ist. Büren ist freilich viel älter, denn seine Besiedlung reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Urkundlich wird es aber erst 1195 vom Fürstbischof zu Paderborn erwähnt. Die Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus, eine kreuzförmige Basilika mit Westturm ist 1220 ist erstmals bezeugt und wurde vielleicht von durchziehenden Pilger aufgesucht.
Sie besitzt noch ein spätgotisches Sakramentshäuschen vom Ende des 15. Jh. und eine Kanzel um 1600. Von der mittelalterlichen Bausubstanz stammen in der Stadt noch die Mittelmühle von 1532 und Niedermühle um 1635/40 und im Ortskern haben einige Wohnbauten wie das Fachwerk-Dielenhaus mit Krüppelwalmdach von 1608 überdauert.
Heute machen sich wieder Menschen in ganz Europa auf den Jakobsweg, um auf alten Wegen ihr eigenes Land neu zu erleben und dabei Körper, Seele und Geist wieder in Einklang zu bringen. Hinter Büren gelingt das besonders gut, denn man durchschreitet auf dem Jakobsweg bis zum Ort Meiste unberührte Bachtäler wie das junge Tal der Asche, Pferde grasen friedlich unter blühenden Obstbäumen, alte Bäume in frischem Grün raunen im Wind. Vor Rüthen führt der Weg auf der Höhe durch ein fruchtbares flaches Ackerland mit Rapsfeldern und zahlreichen kleinen Windrädern zur Nutzung der Windenergie. Abwechslung für das Auge bietet der verheißungsvolle Vorblick auf das dunkle Grün des Sauerländer Waldes, der auf der nächsten Etappe zu durchqueren ist.
Walter Töpner, Wege der Jakobspilger (Band 1) - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland,
Paulinus Verlag, Maximineracht 11c; 54295 Trier, ISBN 3-7902-1316-0, 19,90 EUR

